Emmentality: Handwerk und High-Tech

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Stefan Fuhrer (Fuhrer Moto) schraubt am Motorrad

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Ulfert Janssen (GANNET Design) skizziert das Motorrad

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Vorher/Nachher Skizzierung der Moto Guzzi

Emmentality: Handwerk und High-Tech

PME

«Es war echt eindrücklich, wie viel Know-How hier im Tal vorhanden ist!»

«In der Fabrik hier werden Werkzeuge gemacht, die Bude da stellt Armierungseisen her und dort hinten ist eine Sattlerei». Stefan Fuhrer kennt sich aus im Emmental, schliesslich ist er hier aufgewachsen. Sieben Jahre lang jettete der gelernte Töffmechaniker mit Tom Lüthi um die ganze Welt. 2005 wurde er mit ihm Weltmeister. Dann hatte er vom Rennsport genug und kehrte zurück.

Das Thal bei Heimisbach ist ein Bijou von einer Landschaft. Dunkle Wälder, saftige Matten, versprenkelte Häuser. Im alten Schulhaus ist Stefan Fuhrer früher selbst zur Schule gegangen. Heute hat sich hier Ulfert Janssen eingerichtet. Familiäre Bande führten den zurückhaltenden Norddeutschen hierher. Der Designer hat ein Klassenzimmer zu seiner Werkstätte gemacht. Hier, vor der Wandtafel, steht die Moto-Guzzi: Fuhrer und Janssens gemeinsames Werk.

Es ist ein Bild von einem Motorrad. Von weitem fallen vor allem die opulenten Auspuffrohre ins Auge. Von nahem die liebevoll gestalteten Details. «Wir wollten das Original neu interpretieren», sagt Fuhrer. «So haben wir die Elektronik aufs Minimum reduziert und wieder einen alten Vergaser eingebaut». Den Benzinstand zeigt keine Lampe, sondern ein transparenter Schlauch am Tank. Janssen holt derweil ein Bild hervor, das aussieht wie ein Foto der fertigen Maschine.  Erst auf den zweiten Blick merkt man, dass es sich um eine Projektskizze handelt. «Wir wussten genau, wie die Maschine aussehen sollte», sagte er. «Was wir noch nicht wussten war, wie wir sie bauen».

«Natürlich hätten wir Einzelteile aus allen Ecken der Welt bestellen können», sagt Fuhrer. «Aber mit den Leuten vor unserer Haustür zusammenzuarbeiten machte für uns einfach mehr Sinn. Und mehr Spass!». So hat eine Sattlerin die lederne Sitzfläche gefertigt. «Und hier, das Heck, das hat ein Emmentaler Spengler von Hand gedengelt», ergänzt Janssen. «Es war echt eindrücklich, wie viel Know-How hier im Tal vorhanden ist!»

Die Zusammenarbeit mit den Profis aus der ganzen Region hat die beiden Töff-Cracks begeistert. Und auf neue Ideen gebracht. «Oft weiss man ja, was der oder jener ungefähr tut. Aber was die wirklich drauf haben, hat uns selbst überrascht», sagt Designer Janssen und Fuhrer ergänzt: «Eigentlich müsste man die Leute viel besser vernetzen. Von mehr Austausch würden wir alle profitieren!»

Unterstützt von be-advanced AG und der Neuen Regionalpolitik haben Fuhrer und Janssen deshalb «Emmentality» gegründet. Eine Plattform für High Tech und Handwerk aus dem Emmental. «Im Team von Tom Lüthi sind uns die besten Ideen oft abends beim Bier gekommen» sagt Fuhrer, und Janssen führt aus: «Oft knoble ich an einem Problem herum, für das ein anderer schon eine Lösung hat. Vielleicht sogar einer, der etwas komplett anderes macht. Innovation heisst manchmal auch einfach, eine gute Idee in einen anderen Bereich zu übertragen.»

Schon jetzt sind bei Emmentality Sattler, Lackierer, Spengler, Töff-Mechs, Lasercutter, Designer, KFZ-Mechaniker und Kohlefaserverarbeiter an Bord. Die Perspektiven für kreativen Austausch stehen also gut.

Emmentality

 

Dieser Beitrag erschien in der Septemberausgaber des Magazins Berner Wirtschaft.