Im Rahmen der kostenlosen be-smarter Eventreihe beleuchten Expert*innen aus den unterschiedlichsten Bereichen zentrale Themen rund um das Unternehmertum, um (Jung-)Unternehmer*innen auf ihrem Weg zu unterstützen. Die wichtigsten Tipps aus dem Online-Event rund ums Thema Early-Stage-Fundraising mit Tanya Fröhlich und Ralph Mogicato fassen wir hier zusammen.
SICTIC ist eine Non-Profit-Organisation und vernetzt Schweizer Early-Stage-Startups aus dem Tech-Bereich mit Smart-Money-Investor*innen. Aus diesem Grund fokussiert sich dieser Artikel auf Startups mit einer Tech-Komponente. Allerdings sind viele Inhalte unabhängig davon gültig.
Finanzierung für Schweizer Startups
Startup-Investor*innen lassen sich grob in vier Kategorien unterteilen: Pre-Seed, Seed Round, Series A und Series B, C +. Je nachdem, wie weit ein Startup ist und wie viel Geld es benötigt, liegt der Fokus auf einer anderen Gruppe an Investor*innen.
Einige Möglichkeiten für mögliche Finanzierungen sollen an dieser Stelle hervorgehoben werden:
- Technologiefonds: Erteilt Schweizer Startups, welche die Treibhausgasemissionen nachhaltig senken, eine Bürgschaft von bis zu 3 Millionen Schweizer Franken. Diese Bürgschaft ermöglicht es Startups, beispielsweise von Banken ein Darlehen zu erhalten, welches sie innerhalb von 10 Jahren zurückzahlen müssen.
- Stiftungen: Hier lohnt es sich, sich einen Überblick über die unterschiedlichen Stiftungen zu verschaffen, um die genauen Konditionen zu erfahren. Diese reichen von à fonds perdu-Beiträgen bis zu speziellen Risikokrediten von Banken. Der Startupticker hat zahlreiche Stiftungen zusammengetragen.
- Innosuisse: Die staatliche Förderung von wissenschaftsbasierter Innovation ist für Startups nebst einer potenziellen Finanzierungsquelle auch ein "Quality Gate", um eine externe Beurteilung zu erhalten.
- Schweizer Business Angel Clubs wie beispielsweise SICTIC (schweizweit) oder Aare Ventures (Fokus Bern) sind eine weitere Möglichkeit, um zusätzliches Fremdkapital zu erhalten. Auch hier lohnt es sich, die einzelnen Clubs miteinander zu vergleichen (Anzahl Business Angels, Gebühren für Startups, Provisionen für Investor*innen etc.).
- Venture Capitalists: Startups, die grössere Geldsummen suchen, richten ihr Anliegen beispielsweise an redalpine oder an Serpentine Ventures.
Externes Geld bedeutet Stress
Ein Startup muss sich bewusst sein, dass Fremdkapital mit zusätzlichem Stress verbunden und an gewisse Erwartungen geknüpft sind. Deshalb ist es wichtig, ...
- ... ein klares Business Model zu haben, welches eine Skalierung zulässt,
- ... einen grossen Markt (>100 Millionen) zu adressieren, der ein zehnfaches Investment-Returnpotenzial ermöglicht,
- ... einen Exit als Endziel zu definieren.
Sind diese Punkte nicht gegeben, sollte eine externe Finanzierung kritisch hinterfragt werden.
Fragen, welche vor einer Finanzierungsrunde klar sein sollten
- Wann benötigen wir Geld, bevor wir finanzielle Probleme haben?
- Wen möchten wir als Investor*in an Board haben?
- Was hat mein Startup bisher erreicht, was für Investor*innen interessant ist?
- Wie viel Geld benötigen wir, um die nächsten 12-18 Monate zu überleben?
- Welche Ziele wollen wir mit diesem Geld erreichen?
- Wie viel Geld benötigen wir danach?
- Wie viel Geld können wir uns erlauben, aufzunehmen, ohne zu viele Anteile abgeben zu müssen?
Für Investor*innen ist es wichtig, dass die Founders zu 100% motiviert sind und nicht zu schnell zu viele Anteile abgeben. Sobald die Gründer*innen nicht mehr die Mehrheit der Anteile haben, müssen Investor*innen sich um Alltägliches kümmern und das wollen sie nicht. In einer ersten Runde sollten also nicht mehr als 10-20% der Firmenanteile abgegeben werden. Es lohnt sich, mehrere kleine Finanzierungsrunden zu machen, welche an Ziele geknüpft sind anstatt eine grosse. So bleiben die Gründer*innen länger motiviert.
SICTIC verrät uns, wie ein optimaler Investment-Prozess aussieht
- Explorationsphase mit Pitch vor potenziellen Investor*innen
- Term Sheet mit Deep Dive zu Investment-Bedingungen, Unternehmens-Valuation und Grösse der Finanzierungsrunde (unverbindlich)
- Due Diligence mit einem Fokus auf Gründer*innen, Business und rechtlichen Aspekten, um Risiken zu erkennen
- Shareholders' Agreement mit Spezial-Konditionen für Investor*innen
- Investment and Subscription Agreement mit Rechten und Pflichten für Investor*innen und Gründer*innen
- Closing mit Vertragsunterzeichnung und Geldüberweisung
- Aufnahme in den Verwaltungsrat, um die Interessen der Investor*innen zu vertreten und bei strategischen Überlegungen mitzuwirken
Überlege dir also gut, welche Investor*innen du mit ins Boot holst und speziell, welche du in den Verwaltungsrat wählst. Du wirst viel Zeit mit ihnen verbringen und sie sollten dein Startup tatkräftig mitprägen und formen.
Weitere Infos: Swiss Angel Investor Handbook (Kostenloser Download)
PS: Auf der Vernetzungsplattform für Berner Unternehmen be-connected.ch findest du u.a. zahlreiche Unterstützungsangebote für die Finanzierung deines Unternehmens im Kanton Bern.