Wer ein Unternehmen führt, hat bestimmte Denk- und Handlungsweise. Die Frage ist nur: Ist sie bewusst oder unbewusst? Die be-peer-Session vom Juni 2026 hat genau dort angesetzt und gezeigt, wie das Konzept der Entrepreneurial Orientation KMU und Startups helfen kann, ihre unternehmerische Grundhaltung zu reflektieren und gezielt weiterzuentwickeln.
Was Entrepreneurial Orientation eigentlich misst
Entrepreneurial Orientation, kurz EO, ist ein Instrument zur Beurteilung der unternehmerischen Ausprägung. Fünf Dimensionen stehen im Zentrum: Innovativität, Proaktivität, Risikobereitschaft, Autonomie und Wettbewerbsaggressivität. Diese wurden in der Forschung seit den 1980er Jahren entwickelt und haben sich als zuverlässige Indikatoren für unternehmerische Wettbewerbsfähigkeit erwiesen.
Entscheidend dabei ist, dass EO keine statische Beurteilung ist, sondern, dass sie sich mit der Unternehmensphase, der Branche, dem Marktumfeld, der Unternehmerpersönlichkeit und den Werten verändert. Sie lässt sich aktiv entwickeln. Das war einer der Kerngedanken der be-peer-Session.
Startups und KMU: Verschiedene Ausgangspunkte, dasselbe Ziel
Ein zentrales Thema der Diskussion war der Unterschied zwischen KMU und Startups und wie dieser die EO-Ausprägung beeinflusst.
Startups verfügen in frühen Phasen über grosse Gestaltungsfreiheit. Sie sind noch nicht in bestehende Strukturen eingebettet, können schnell und frei handeln und grössere Schritte wagen. Diese Freiheit ist ein Vorteil, birgt aber auch eine Kehrseite: Manchmal fehlt die Tiefe, die Substanz, die jahrelange Erfahrung mit Kunden und Märkten. Wer viel Raum hat, muss lernen, ihn zu nutzen.
KMU wiederum sind anders aufgestellt. Sie verfügen über Substanz, finanzielle Mittel, gewachsene Kundenbeziehungen und eingespieltes Know-how. Dafür sind sie häufig stärker in Routinen und Strukturen eingebettet. Veränderungen geschehen in kleineren Schritten und oft auf solidem Fundament. Proaktives Handeln ist möglich, erfordert aber mehr bewusste Energie.
Beide Ausgangspunkte haben ihre eigene EO-Logik. Das Framework funktioniert für beide, nur der Einstiegspunkt ist ein anderer.
Das Assessment: Selbstreflexion mit Struktur
Einer der wertvollen Aspekte des EO-Frameworks ist, dass es strukturierte Selbstreflexion möglich macht. Wer die fünf Dimensionen auf einer Skala einschätzt, erhält ein Bild seiner strategischen Haltung, das oft aufschlussreicher ist als allgemeine Stärken-Schwächen-Analysen.
In der Session wurde deutlich, dass Coaches dabei eine wichtige Rolle spielen. Eine Selbsteinschätzung allein genügt selten. Die Spannungsfelder zwischen den einzelnen Dimensionen, zum Beispiel zwischen Risikobereitschaft und Autonomie, zwischen Proaktivität und Wettbewerbsaggressivität, erschliessen sich oft erst im Gespräch. Der Coach hilft, blinde Flecken zu erkennen und die Einschätzung zu kalibrieren.
Dabei zeigte sich auch: Nicht jede Person, die ein Unternehmen führt, hat die unternehmerische Prägung bereits vollständig entwickelt. Das EO-Framework bietet die Möglichkeit, genau das sichtbar zu machen und anzusprechen, ohne zu urteilen.
Lernfähigkeit als Schlüssel
EO entfaltet keine Wirkung, wenn die Bereitschaft fehlt, aus Reflexion zu lernen und Erkenntnisse umzusetzen. Hier kommt die Verbindung zu zwei Konzepten ins Spiel, die bereits in der be-peer-Session vom Mai 2026 zentral waren: Coachability und Absorptive Capacity.
Coachability, also die Fähigkeit und Bereitschaft, Feedback aufzunehmen und Veränderungen einzuleiten, bestimmt, ob ein Reflexionsprozess überhaupt in Gang kommen kann. Absorptive Capacity beschreibt, wie gut ein Unternehmen externes Wissen aufnimmt und in konkretes Handeln überführt. Beide Fähigkeiten sind erlernbar und können gefördert werden.
Die aktuelle Session hat diesen Zusammenhang nochmals unterstrichen: Eine starke EO ohne Lernbereitschaft bleibt wirkungslos. Umgekehrt nützt grosse Lernfähigkeit wenig, wenn die strategische Grundhaltung nicht stimmt. Erst im Zusammenspiel entsteht nachhaltige unternehmerische Entwicklung.
Die Rolle von be-advanced: Raum schaffen, nicht vorschreiben
Ein klares Statement aus der Session war das Rollenverständnis von be-advanced: Wir sind weder Schule noch Lehrpersonen. Unsere Aufgabe ist es, Raum zu schaffen für Reflexion, für ehrliches Sparring und für Fragen, die im Alltag untergehen.
Das EO-Framework ist dabei ein Werkzeug, kein Prüfungstest. Es hilft, Unternehmertum sichtbar zu machen, Entwicklungspotenziale zu benennen und gemeinsam einen Entwicklungsweg zu beschreiten. Ob jemand noch in die unternehmerische Rolle hineinwächst oder sie bereits verkörpert, ob jemand mehr Proaktivität entwickeln will oder die eigene Risikobereitschaft besser kalibrieren möchte, das sind Fragen, die sich im Begleitungsprozess stellen und die niemand allein beantworten muss.
Kein einmaliges Instrument, sondern ein kontinuierlicher Prozess
Der vielleicht wichtigste Gedanke der Session war dieser: Eine EO-Standortbestimmung ist keine einmalige Aufnahme. Sie ist der Einstieg in einen kontinuierlichen Reflexionsprozess, der sich über mehrere Coaching-Phasen hinzieht und sich mit dem Unternehmen weiterentwickelt.
Das unterscheidet das EO-Framework von vielen anderen Diagnose-Instrumenten. Es ist nicht dazu da, ein abschliessendes Urteil zu fällen, sondern eine gemeinsame Sprache zu schaffen, zwischen Coach und begleiteter Person, zwischen dem Jetzt und dem, was möglich wäre.
Entrepreneurial Orientation ist ein Spiegel. Was Unternehmer*innen darin sehen, hängt davon ab, wie ehrlich sie hinschauen, und wie bereit sie sind, das Gesehene in konkrete Schritte zu überführen.
Wenn das Thema bei dir Fragen aufwirft, oder Du deine eigene unternehmerische Ausprägung einmal genauer unter die Lupe nehmen möchtest: be-advanced begleitet Dich dabei.
be-advanced unterstützt KMU und Startups sich weiterentwickeln, um zukunfts- und konkurrenzfähig zu bleiben.
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