Manche Unternehmen machen in kurzer Zeit einen bemerkenswerten Entwicklungssprung. Andere stagnieren, obwohl sie dieselbe Begleitung erhalten, ähnliche Ressourcen haben und die Herausforderungen kennen. Der Unterschied liegt selten im Angebot, sondern in der Fähigkeit, davon zu profitieren.
Zwei Konzepte beschreiben diesen Unterschied präzise: Coachability und Absorptionskapazität. Beide sind handfeste Konzepte aus der Praxis, die über die Wirkung jeder Begleitung entscheiden.
Warum manche Unternehmen besser lernen als andere
Cohen und Levinthal haben schon 1990 beschrieben, warum manche Unternehmen neues externes Wissen viel effizienter aufnehmen als andere. Ihre Antwort ist die Absorptionskapazität, also die Fähigkeit einer Organisation, den Wert neuer Informationen zu erkennen, sie zu verarbeiten und in konkretes Handeln zu übersetzen.
Dieser Effekt ist kumulativ. Wer früh in Lernfähigkeit investiert, lernt in jeder Folgephase schneller. Wer es nicht tut, läuft Gefahr, den Anschluss dauerhaft zu verlieren, was Cohen und Levinthal als Lock-out bezeichnen.
Für KMU und Startups heisst das: Es geht nicht nur darum, ob ein Unternehmen die richtigen Impulse erhält. Es geht darum, ob es strukturell und kulturell in der Lage ist, diese aufzunehmen und umzusetzen.
Was Coaches in der Praxis beobachten
Im Rahmen einer be-peer Session haben Coaches und Case Manager bei be-advanced ihre Erfahrungen geteilt. Was dabei deutlich wurde, geht über Theorie weit hinaus. Ein wiederkehrendes Muster zeigt sich bei Unternehmer*innen, die sich die Zeit für physische Treffen kaum nehmen können. Dahinter steht oft unbewusst die Frage "Was kann ich nehmen?" statt "Was kann ich einbringen?" Coachability schliesst aktive Mitgestaltung ein.
Bei Tech-Entrepreneurs kommt häufig eine andere Herausforderung dazu. Technisches Wissen ist oft sehr stark ausgeprägt, betriebswirtschaftliche Kompetenz weniger. Die Bereitschaft, sich auch mit diesen Themen auseinanderzusetzen, ist entscheidend dafür, ob ein Startup skalierbar wird. Und nicht zuletzt kommt dazu eine verbreitete Tendenz, das Dringende über das Wichtige zu stellen. Was im Coaching als zentrale Entwicklungsaufgabe erkannt wird, gerät zwischen den Terminen oft wieder aus dem Fokus. Hamel und Prahalad haben das bereits 1994 gemessen und festgestellt, dass Führungskräfte weniger als drei Prozent ihrer Zeit auf die Entwicklung einer gemeinsamen Zukunftsaussichten verwenden. Strukturiertes Coaching kann diesen Anteil gezielt erhöhen.
Besprochen wurde in der Session auch das Thema Scham. Die Angst vor Gesichtsverlust hält manche davon ab, sich früh Unterstützung zu holen. Wer Schwäche zu zeigen fürchtet, kommt oft erst dann, wenn der Leidensdruck schon sehr hoch ist. Dabei wird das Coaching gerade dann stärker, wenn Verletzlichkeit Platz hat. Das ist eine Voraussetzung für echte Entwicklung.
Coachability entwickeln, nicht einfach voraussetzen
Ein zentrales Fazit der be-peer Session: Coachability ist eine Eigenschaft, die sich gezielt entwickeln lässt, und diese Entwicklung ist eine gemeinsame Aufgabe.
Für Coaches und Case Manager bei be-advanced beginnt das bereits in den ersten Gesprächen. Neben fachlichen Themen geht es früh um den Rahmen der Zusammenarbeit, um Commitment, Ziele, Rhythmus und Fokus. Diese Investition in gegenseitiges Vertrauen ist die Grundlage dafür, dass alles Weitere überhaupt greifen kann.
Wenn fehlende Coachability erkannt wird, wird das direkt angesprochen. Das führt zu einem bewussten Entscheid:
- entweder einem gemeinsamen Gespräch darüber, wie die Bereitschaft gestärkt werden kann – unter Umständen auch mit einem gezielten Coaching zu diesem Thema
- oder einem klaren Abbruch ohne Umwege. Beides ist besser als eine Begleitung, die auf beiden Seiten Energie kostet, ohne zu wirken.
Was das für dein Unternehmen bedeutet
Ob Startup in der Frühphase, KMU in einer Transformationsphase oder Unternehmen vor einem Generationenwechsel: Die Frage, wie gut ein Unternehmen von externer Begleitung profitieren kann, ist genauso strategisch wie die Frage nach dem Geschäftsmodell, dem Product-Market-Fit, der Finanzierung und anderen Themen.
Absorptionskapazität entsteht durch Strukturen, die Lernen ermöglichen, durch Führungspersonen, die Offenheit vorleben, und durch die Bereitschaft, das Wichtige auch dann zu priorisieren, wenn das Dringende läutet.
be-advanced begleitet KMU und Startups im Kanton Bern auf diesem Weg, als Gegenüber auf Augenhöhe. Die Begleitung ist für qualifizierende Unternehmen finanziert. Was es braucht, ist die Bereitschaft, sich auf den Prozess einzulassen.
Wenn Du das Thema Coachability oder Absorptionskapazität aus Deinem eigenen Unternehmensalltag kennst, nimm gerne Kontakt mit uns auf. Für ein erstes Gespräch musst du Dir einzig ein wenig Zeit nehmen und Dich damit auf den Weg einer Begleitung machen, die wirklich wirkt.
be-advanced unterstützt KMU und Startups sich weiterentwickeln, um zukunfts- und konkurrenzfähig zu bleiben.
Melde dich gerne bei uns, wenn du Unterstützung brauchst.
