"Stress" oder "Der Säbelzahntiger lauert überall!" - Beat Schori

Beat Schori

"Stress" oder "Der Säbelzahntiger lauert überall!" - Beat Schori

Wissen

Fast jede dritte Person in der Schweiz fühlt sich emotional erschöpft. Andauernder Stress ist eine der Ursachen für zahlreiche psychische Erkrankungen. Beat Schori ist als Personal und Business Coach für das Thema sensibilisiert und kennt mögliche Lösungsstrategien.

Im Rahmen der kostenlosen be-smarter Eventreihe beleuchten Expert*innen aus den unterschiedlichsten Bereichen zentrale Themen rund um das Unternehmertum, um (Jung-)Unternehmer*innen auf ihrem Weg zu unterstützen. Die wichtigsten Tipps aus dem Online-Event rund ums Thema Stress mit Beat Schori fassen wir hier zusammen.

 

Stress, Burnout und Resilienz

Wer kennt es nicht: Es ist fünf vor Zwölf, es sollten noch diverse Aufgaben erledigt werden, doch die Zeit rennt davon. Deadlines und Meetings prägen unser Leben im Arbeitsalltag wie im Privaten. Stress gehört zum Leben. Für den Körper heisst dies: Alarmbereitschaft. Für eine kurze Zeit ist dies sinnvoll und hilfreich, weil wir uns so vor Gefahren schützen, indem wir beispielsweise vor einem Säbelzahntiger flüchten oder eine Präsentation vor 500 Leuten halten und uns besonders gut fokussieren können.

Dauert die stressige Phase jedoch zu lange an, wirkt sich dies auf den Körper negativ aus und kann beispielsweise zu einem Burnout führen. Betroffene sind ausgebrannt, leer und erschöpft. Um dies zu verhindern, ist es wichtig, regelmässig Entspannung und Erholung einzuplanen. Diese Pausen sehen für alle Menschen ganz unterschiedlich aus: im Wald spazieren gehen, Musik hören, Sport treiben, ein Buch lesen oder sich mit Familie und Freunden verabreden.

Auch ist es sehr individuell, wann ein Mensch Stress empfindet. Während für eine Marathonläuferin ein gemütlicher 5km-Lauf Enstpannung sein kann, ist es für eine weniger sportliche Person eine Herausforderung und Stress. Dabei spielt auch die Resilienz, also die psychische Widerstandsfähigkeit, einer Person eine zentrale Rolle. Dank ihr können wir Krisen oder eben Stress besser bewältigen.

 

Von der Work-Life-Balance zur Balance zwischen Energietanken und -spenden

Weil sich die Arbeit und die Freizeit für viele Menschen immer mehr vermischt, sind die Grenzen zwischen Arbeitsblöcken und Pausen nicht mehr so klar. Speziell Unternehmerinnen und Unternehmer können ihren Tag frei einteilen und sind nicht mehr an vorgeschriebene Zeiten gebunden. Auf der einen Seite bedeutet dies viel Flexibilität: Ein zweistündiger Spaziergang von 14 - 16 Uhr ist beispielsweise denkbar. Auf der anderen Seite ist es für viele, speziell in stressigen Phasen, schwieriger, Pausen zu machen und abzuschalten, weil vieles von irgendwo erledigt werden kann.

Da die Arbeit zum Leben dazugehört, ist der Begriff "Work-Life-Balance" eigentlich nicht mehr treffend. Speziell Unternehmerinnen und Unternehmer verfolgen persönliche Anliegen, Ideen und Projekte und können sich so verwirklichen. Doch auch für sie ist es zentral, ihre Batterien mit nicht-arbeitsbezogenen Tätigkeiten aufzuladen und damit für eine gute Energie-Balance zwischen Tanken und Spenden zu sorgen.

 

Wie bewältige ich Stress und bleibe gesund?

Weil es stets etwas zu tun gibt, lohnt es sich, nach Erfolgen inne zu halten und den Moment zu geniessen. Damit erhält der Körper eine Pause, um wieder Energie für die nächsten Projekte und Herausforderungen zu tanken. Hierbei ist es hilfreich, die vier Säulen der Stressbewältigung zu kennen:

  1. Ernährung: Der eigene Körper funktioniert dann am besten, wenn wir ihn mit den richtigen Nährstoffen versorgen. Dabei können wir auf uns selbst hören. Denn wir wissen und spüren ziemlich genau, welche Nahrung uns guttut.
  2. Bewegung: Unser Körper ist für eine sitzende Tätigkeit nicht optimal. Deshalb ist es wichtig, uns täglich zu bewegen. Treppe steigen anstatt Lift zu fahren oder mit dem Fahrrad zur Arbeit anstatt mit dem Auto können ein Anfang sein.
  3. Schlaf: Es gibt nur sehr wenige Menschen, welche mit weniger als sieben Stunden Schlaf längerfristig gut funktionieren. Für die meisten Personen sind sieben bis neun Stunden Schlaf optimal.
  4. Entspannung: Nebst enstpannenden Tätigkeiten wie spazieren oder lesen gibt es medizinische Enspannungsverfahren, die wissenschaftlich belegt sind. Dazu zählen beispielsweise autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Achtsamkeit oder Meditation. Hier ist eine Einführung durch eine spezialisierte Person sinnvoll.

Nebst diesen vier Säulen ist es hilfreich, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein, sich mit einer Freundin oder einem Coach darüber auszutauschen und sich stets nur mit einer Aufgabe zu beschäftigen. Denn im Leben eines Mannes ist Multitasking nie ratsam. Im Leben einer Frau funktioniert es anscheinend genau einmal: in den ersten zwei bis drei Minuten nach der Geburt. Ansonsten fahren wir besser, wenn wir das, was wir machen, richtig machen.

 

Ein Schüler fragte einmal seinen Meister,
warum dieser immer so ruhig und gelassen sein könne.

Der Meister antwortete:
“Wenn ich sitze, dann sitze ich.
Wenn ich stehe, dann stehe ich.
Wenn ich gehe, dann gehe ich.
Wenn ich esse, dann esse ich.”

Der Schüler fiel dem Meister in Wort und sagte:
“Aber das tue ich auch!
Was machst Du darüber hinaus?”

Der Meister blieb ganz ruhig und wiederholte wie zuvor:
“Wenn ich sitze, dann sitze ich.
Wenn ich stehe, dann stehe ich.
Wenn ich gehe, dann gehe ich…”

Wieder sagte der Schüler:
“Aber das tue ich doch auch!”

“Nein”, sagte da der Meister.
“Wenn Du sitzt, dann stehst Du schon.
Wenn Du stehst, dann gehst Du schon.
Wenn Du gehst, dann bist Du schon am Ziel.”

Aus dem Zen-Buddhismus