(CONNECT) Bluera hat eine Technologie entwickelt, die in ähnlicher Weise in Europa seit Jahrzehnten angewendet wird: die Gewinnung von Wärmeenergie aus Abfällen. Das Start-up mit Sitz in der Metropolitanregion der chilenischen Hauptstadt Santiago musste dabei aber zwei Herausforderungen lösen, die es in Europa nicht gibt: Zum einen ist die Verbrennung von Abfällen in Chile verboten und zum anderen werden Abfälle im Land billig auf Müllkippen gelagert.
Bluera behandelt die Abfälle daher mit elektrischer Induktion statt Verbrennung und setzt seine Technologie dezentral ein: Die Anlagen können bei den Verursachern der Abfälle stehen, die produzierte Energie wird dort auch verwendet. „Unsere Kunden werden dank unserer Anlagen ihre Abfälle verarbeiten und gleichzeitig ihre Energierechnung senken können“, sagt Mitgründer Cristobal Hurtado im Gespräch. Er verweist für mögliche Anwendungen auf die Lebensmittelindustrie, in der nicht-wiederwendbare Plastikabfälle von Verpackungen oft mit organischen Resten wie etwa Blut kontaminiert sind.
Die erste Anlage von Bluera ist seit einem Jahr in Kanada im Einsatz. Sie verarbeitet komplexe Industrieabfälle wie Eisenbahnschienen und gehäckselte Autoabfälle zu Energie. Die Anlage wurde von TÜV Rheinland zertifiziert. Mitte 2026 will Bluera seine erste Demonstrationsanlage am eigenen Standort in Betrieb nehmen. Die Anlage wird von der Inter-Amerikanischen Entwicklungsbank (IDB) gefördert und soll Daten für kundenspezifische Anwendungen gewinnen. Eine weitere Pilotanlage ist für das zweite Halbjahr geplant.
Hurtado hat im April die Schweiz besucht. Die Reise wurde von der chilenischen Botschaft in Santiago mitorganisiert. Sie ist Teil der Auszeichnung als chilenisches Start-up des Jahres 2025, die von der Wirtschaftszeitung „El Mercurio“ verliehen worden ist. Hurtado hat in der Schweiz hat namentlich die effiziente Wertschöpfungskette der Abfallverwertung beeindruckt. Er sieht aber auch in der Schweiz Anwendungsmöglichkeiten für seine Technologie. So fallen bei der Wiederverwertung von Plastik Abfälle an, die nicht physisch genutzt werden können. „Mit unserer Technologie können sie jedoch für Prozessenergie wiederverwendet werden“, so Hurtado.
Hurtado hat Bluera 2022 gegründet. Sein Partner Jean Benoit, ein französischer Luft- und Raumfahrtingenieur, lebt seit 2001 in Chile. „Wir wenden seine Erfahrungen etwa beim Start von Satelliten ins All jetzt auf den chilenischen Markt an“, so Hurtado. ce/stk
