Die Sonne zwischenlagern - eine generationsübergreifende Erfolgsgeschichte

Die Sonne zwischenlagern - eine generationsübergreifende Erfolgsgeschichte

Use-CaseInspiration

Solarpanels auf Dächern gehören längst zum Landschaftsbild. Zu Spitzenzeiten wird in der Schweiz mehr Strom produziert, als aktuell vom Stromnetz aufgenommen werden kann. Für die Firma Jenni Energietechnik AG ist das kein neues Thema. Dank 50 Jahren Erfahrung auf dem Thema Sonnenenergie verfügen sie über spannende Lösungen.

Die Geschwister Tabea und Josef Timoteo Jenni erinnern sich an ihre Kindheit: 
«Wer unsere Wohnung erreichen wollte, musste zuerst durch die ganze Werkhalle laufen, vorbei an Stahlgestellen, Schweissfunken und dem Geruch von warmem Metall.» 

Für Tabea und Josef war das nie etwas Besonderes, sondern einfach der Nachhauseweg. Genauso verhielt es sich mit der Tatsache, dass sie in einer Pionier- und Unternehmerfamilie aufwuchsen. Ihr Vater Josef Jenni gründete das Unternehmen vor 50 Jahren als Einmannbetrieb. Tabea und Josef Timoteo sind heute als zweite Generation in der Geschäftsleitung.

Aufgewachsen mit Sonnenenergie - eine frühe Prägung

Als Kinder wussten Josef und Tabea nicht, dass ihre Familie ungewöhnlich war und in der Schule fiel den beiden nicht auf, dass ihre Eltern etwas grundlegend anderes taten als andere Eltern. 
«In meiner Kindheit habe ich das zumindest nicht so wahrgenommen, dass wir ein Pionierunternehmen sind», erinnert sich Josef Timoteo. 
Erst mit den Jahren begriffen die Geschwister, wie früh ihre Familie gegen den Strom schwamm. Das war noch zu einer Zeit, als man für jeden einzelnen Vorstoss eine physische Plakatkampagne zur Aufklärung brauchte, um überhaupt wahrgenommen zu werden.

Der eigene Weg zur Verantwortung

Als junge Erwachsene füllte Tabea mit diversen Jobs zwischen Verlagswesen und technischen Tätigkeiten sowie einem Betriebswirtschaftsstudium ihren Erfahrungsrucksack. Das kommt ihr jetzt in der Ausübung ihres Berufes zugute, denn seit 2011 ist sie Leiterin Personalwesen und wurde später Mitglied der Geschäftsleitung der Jenni Energietechnik AG. 
Ihr Bruder Josef Timoteo absolvierte eine Lehre als Polymechaniker, studierte danach Mikrotechnik und arbeitete eine Zeit lang extern, bevor auch er in den Familienbetrieb zurückkehrte. Das Startup, das er gegründet und einige Jahre vorangetrieben hatte, empfindet er als «die eigentliche Abschlussarbeit seines Studiums», denn da hatte er gelernt, was im unternehmerischen Alltag alles erledigt werden und wie er mit konkreten, alltäglichen Situationen umgehen muss.

Die Firmennachfolge gestaltete sich dennoch als Herausforderung und gelang schliesslich Schritt für Schritt. Vor zehn Jahren begannen sie, die Strukturen der Firma zu professionalisieren. Das war ein Prozess, der Zeit braucht und die Erfahrung mit sich brachte, dass es teilweise schwer ist, langjährige Mitarbeitende in ihre neuen Rollen und Verantwortlichkeiten mitzunehmen. Als 2019 mehrere Schlüsselpersonen in Pension gingen, nahmen die Geschwister den Schwung wieder auf und bauen seither konsequent daran weiter.

Heute besteht die Geschäftsleitung aus einem Team, das das Unternehmen mit eigenen Ideen prägt und erfolgreich leitet. Nur die öffentliche Aufmerksamkeit hinkt teilweise noch hinterher, wenn die breit aufgestellte Leitung der Firma kommunikativ immer noch in den Gründerschatten gestellt wird, auch wenn die grossen Fussstapfen längst ausgefüllt werden. 

«Im öffentlichen Bewusstsein steht oft noch eine Firma mit einem 75-jährigen Geschäftsführer, dabei führt heute eine Geschäftsleitung aus fünf Menschen der zweiten Generation das Unternehmen», sagt Tabea.

Tabea und Josef möchten das Bild von Jenni Energietechnik als eigenständig und zukunftsgerichtet geführtes Unternehmen schärfen, gerade jetzt, wo im Kanton Bern zahlreiche Familienbetriebe vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

Energie, die wartet, bis sie gebraucht wird

Im Zentrum von Josef Timoteos Arbeit steht das Prinzip Power-to-Heat. Dabei wird Photovoltaikstrom in Wärme umgewandelt, welche sowohl in Einfamilienhäusern zum Einsatz kommt, als auch zum Fernwärmenetz beiträgt. 

Dieser Ansatz löst damit ein sehr reales Problem, denn im Sommer produzieren Solaranlagen inzwischen so viel Strom, dass Netzbetreiber Wechselrichter zeitweise drosseln müssen, während man fürs Warmwasser gleichzeitig weiterhin Öl oder Holz verbrennt! Die intelligente Steuerung der Jenni-Speicher gleicht Angebot und Nachfrage aneinander an. Sie lagert damit überschüssige Sonnenenergie, bis sie gebraucht wird: abends, nachts und manchmal auch erst im nächsten Winter. 

Wie sich das rechnet, lässt sich am Beispiel eines Luzerner Betriebs zeigen, der ganzjährig Blachen trocknet:
Die betriebseigene Photovoltaikanlage liefert Strom für rund 2 Rappen pro Kilowattstunde. Das bisher gebrauchte Heizöl kostete für dieselbe Wärmemenge rund 10 Rappen. Mit Hilfe eines neuen Speichers mit Elektroheizeinsätzen kann der Betrieb neu die aus der Photovoltaikanlage gewonnene Energie für den Trocknungsprozess nutzbar machen und nebenbei auch noch für die Gebäudeheizung im Winter einsetzen.

Für ein Einfamilienhaus gilt, laut Josef Timoteo, dieselbe Logik. Josef empfiehlt: 

«Wer eine Solaranlage plant, sollte nicht nur an heute denken, sondern an die nächsten zwanzig Jahre, an eine mögliche Wärmepumpe, an ein Elektroauto und beispielsweise einen Ausbau. Wer selbst mit einer Photovoltaikanlage liebäugelt, sollte zuerst einen Überblick und Plan haben, bevor der erste Handwerker anrückt.»

Eine Kultur, die mitzieht

Während Josef Timoteo an der Technik arbeitet, sorgt Tabea dafür, dass die Belegschaft mitzieht. Für sie beginnt Nachhaltigkeit nicht beim Produkt, sondern beim eigenen Verhalten. Die Geschäftsleitung lebt bewusst bescheiden, denn eine Gesellschaft, die ständig nach dem Superlativ strebt, erreicht ihrer Meinung nach die Energiewende nicht.

«Wir stellen nicht einfach ein Produkt aus Stahl her, sondern etwas, das die Lebensgrundlagen für die nächsten Generationen erhalten soll», sagt Tabea.

Nach innen setzt sie deshalb auf kurze Kommunikationswege und eine Kultur, die wenig verbirgt. Dazu gehören monatliche Mitarbeitendenveranstaltungen, regelmässige Sitzungen mit den Büroleuten und eine Vision, die sichtbar gemacht wird, statt nur in den Köpfen der Geschäftsleitung zu existieren. Wer eine Idee hat, kann sie schnell einbringen, denn die Hierarchie ist flach und der Betrieb agil.

Auch ausserhalb der Firma bringt sich Tabea ein. Als Grossrätin im Kanton Bern sass sie in der Bau-, Verkehrs- und Energiekommission und setzte sich dort dafür ein, dass Photovoltaikstrom auch fürs eigene Heizen genutzt werden darf, ein Detail, das die alte Energieverordnung bis vor kurzem verhinderte. Politik und operatives Geschäft lassen sich in ihrem Fall kaum trennen und zeichnen ein Bild von grossem, fokussiertem Engagement.

Zwei Rollen, eine gemeinsame Richtung

Josef Timoteo bringt die Technik zum Laufen, während Tabea dafür sorgt, dass die Menschen mitziehen. Getrennt betrachtet wirken die beiden Aufgaben unterschiedlich, technische Steuerung auf der einen Seite, Unternehmenskultur auf der anderen. Zusammen ergeben sie aber genau das, was ein Familienbetrieb braucht, der fünfzig Jahre besteht und sich immer wieder weiterentwickelt.

«Vertrauen ist letztlich das, was zählt», sagt Josef Timoteo. 
«Die Menschen müssen dir als Unternehmer vertrauen, sonst kaufen sie nichts bei dir.» 

Für die nächsten zehn Jahre wünschen sich die Geschwister, dass thermische Speicherung selbstverständlicher wird, lokal produziert und Teil eines Energiesystems, das als Ganzes gedacht wird. 


Jenni Energietechnik und be-advanced

Unter dem Fokusthema «be-next» unterstützt be-advanced Unternehmen im Kanton Bern beim Generationenwechsel. Auch die Jenni Energietechnik AG begleiteten wir und freuen uns über die erfolgreiche Übernahme der zweiten Generation der Jenni Familie.
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Mit be-next begleiten wir bei be-advanced Unternehmer*innen dabei, Verantwortung zu übernehmen und eine Nachfolge fachlich, finanziell und menschlich zu gestalten.
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Und zuletzt ein kleiner Exkurs: Die Sonne als Kapitalanlage

«Wer investieren möchte, ohne selbst ein Dach zu besitzen, kann das über die Schwestergesellschaft Jenni Liegenschaften AG tun. Die Firma realisiert derzeit in Huttwil Mehrfamilienhäuser, die praktisch ausschliesslich mit saisonalen Wärmespeichern beheizt werden. Sie weisen einen grossen Speicher im Zentrum des Gebäudes auf, der umgeben ist von Wohnungen, die im Winter von der Sommerwärme zehren. Für Berner*innen mit privatem Kapital ist das eine seltene Gelegenheit, lokal und nachhaltig zu investieren, mit einer Anlage, die den Werterhalt sichert und gleichzeitig ein Stück Energiewende finanziert.» - Tabea und Josef Timoteo Jenni