Im Rahmen der be-smarter Workshopreihe hat uns Christian Lundsgaard-Hansen von Sparkr aufgezeigt, wieso das Investierens für die private Vorsorge nicht nur ein nice-to-have ist und wie diverse Mechanismen diese Notwendigkeit noch verstärken. Als Selbstständiger hat er sich finanzielles Grundwissen aneignen müssen und hat seine persönliche Erfahrung geteilt.
Investieren für das Alter
Richtig investieren heisst nicht spekulieren. Es bedeutet, Geld so anzulegen, dass es langfristig stärker wächst als die Preise. Es beinhaltet im besten Fall ein kontinuierliches Anlegen von Geld, das man für längere Zeit nicht braucht. Ohne Investitionen sinkt der Lebensstandard im Alter. Wer investiert, verzichtet bewusst auf gewissen Konsum heute, um in Zukunft mehr Möglichkeiten zu erhalten.
Die wichtigsten Grundprinzipien beim Investieren
1. Der Zinseszins-Effekt bei Rendite + Gebühren
Der Zinseszins wirkt wie ein Turbo: Erträge werden wieder investiert und erwirtschaften ihrerseits Erträge. Schon kleine Unterschiede bei Rendite oder Gebühren können über 20 oder 30 Jahre enorme Auswirkungen haben.
Ein Beispiel zum Veranschaulichen: Angenommen, du investierst einmalig 50'000 Franken über 25 Jahre.
Bei einer Rendite von 3 % pro Jahr wächst dein Vermögen auf rund CHF 105’000, d.h. CHF 55'000 Ertrag.
Bei einer Rendite von 6 % pro Jahr hingegen werden daraus rund CHF 215’000, d.h. CHF 165'000 Ertrag.
Obwohl der Zinssatz 2x so hoch ist, ist der Ertrag nicht nur 2x so hoch, sondern gar 3x so hoch. Eindrücklich, oder?
Sei dir in dem Sinn auch bewusst, dass Gebühren ebenfalls einen grossen Einfluss haben. Gebühren wirken wie negativer Zinseszins. Verwaltungskosten, Produktgebühren oder Transaktionskosten sollten deshalb immer genau geprüft und verglichen werden.
(Teste selber, wie sich dein Geld entwickeln wird, z.B. hier Zinseszinsrechner.)
2. Der Anlagehorizont zählt / Volatilität gehört dazu
«Time in the market beats timing the market»: Entscheidend ist nicht der perfekte Einstiegszeitpunkt, sondern wie lange dein Geld investiert bleibt. Für Aktien und ETFs gilt in der Regel ein Horizont von mindestens 10–15 Jahren. Kursschwankungen sind normal. Wer langfristig investiert und nicht in Panik verkauft, kann Volatilität auch als Chance nutzen.
3. Deine Persönliche Situation respektieren / Automatisierung schützt vor Emotionen
So wichtig Investieren ist: Der grösste Hebel für finanzielle Fortschritte bleibt oft das Einkommen. Investitionen in dich selbst – Weiterbildung, Netzwerk, neue Kompetenzen – zahlen sich langfristig genauso aus.
Du solltest nur Geld investieren, das du langfristig nicht brauchst. Notgroschen, Liquidität und Schuldenabbau haben Priorität vor Investments. Sparpläne und Daueraufträge helfen, diszipliniert zu investieren und emotionale Fehlentscheide zu vermeiden. Wieviel willst du investieren und wie viel konsumieren? Wichtig ist, dass du verstehst, was dir die Investition fürs Alter bringt und eine qualitative Entscheidung treffen kannst. Nimm dir Zeit dafür.
4. Diversifikation reduziert Risiken
Risiken lassen sich nicht vermeiden, aber verteilen. Diversifikation bedeutet, das Vermögen über verschiedene Anlageklassen, Regionen, Branchen, Zeitpunkte und Währungen zu streuen. So wirkt sich eine negative Entwicklung in einem Bereich weniger stark auf das Gesamtvermögen aus. Gerade für die langfristige Vorsorge sorgt eine breite Diversifikation für mehr Stabilität und hilft, grössere Schwankungen besser auszuhalten.
5. Anbieter von Anlageprodukten
Wer investieren möchte, trifft auf unterschiedliche Angebotsformen. Versicherungsprodukte kombinieren häufig Sparen und Vorsorge, sind jedoch oft teuer, wenig flexibel und mit langen Bindungsfristen verbunden. Banklösungen bieten Bequemlichkeit und persönliche Beratung, gehen aber nicht selten mit höheren Gebühren einher. Roboadvisor ermöglichen einen einfachen Einstieg ins Investieren: Sie investieren automatisiert, breit diversifiziert und vergleichsweise kostengünstig, dafür mit begrenztem individuellem Gestaltungsspielraum. Ein eigenes Depot kann sehr kostengünstig sein und bietet maximale Flexibilität, setzt aber ein gewisses Mass an Eigenverantwortung, Wissen und Disziplin voraus.
- Versicherungsprodukte: Oft teuer, wenig flexibel, lange Bindung
- Banklösungen: Bequem, aber häufig höhere Gebühren
- Roboadvisor: Einsteigerfreundlich, automatisiert, vergleichsweise günstig
- Eigenes Depot: Sehr kostengünstig möglich, aber hohe Eigenverantwortung
Eine gute Entscheidungsgrundlage schaffen
Wie viel Zeit möchtest du in deine Vorsorge investieren? Wie hoch ist dein Risikoappetit? Wie viel Geld kannst du lange ruhen lassen?
Wer früh beginnt, breit diversifiziert investiert und langfristig denkt, schafft eine stabile Basis für die private Vorsorge. Finanzielle Bildung bedeutet nicht, jede Aktie analysieren zu müssen oder ständig den Markt zu beobachten. Es geht vielmehr darum, grundlegende Prinzipien zu verstehen – sich selbst und die eigenen Bedürfnisse gut zu kennen und eine entsprechende Anlagestrategie zu wählen. Wenn du beispielsweise wenig Zeit und Interesse hast, passt für dich vermutlich ein passiver Sparplan mit 3a und ETFs – einmal gut aufgesetzt und dann läuft es ohne zusätzlichen Aufwand. Finanzielle Bildung bedeutet, Angebote vergleichen zu können und informierte Entscheidungen zu treffen.
Investiere nur Geld, das du mindestens zehn bis fünfzehn Jahre nicht brauchst. Langfristiges Investieren funktioniert dann am besten, wenn du ruhig bleibst, auch wenn die Kurse zwischenzeitlich schwanken. Denn Vermögen wächst nicht linear, sondern überproportional mit der Zeit – vorausgesetzt, du lässt das Geld arbeiten und greifst nicht immer wieder ein. Klare Mechanismen, die Emotionen aus dem Prozess nehmen, helfen dir dabei – zum Beispiel Daueraufträge. Sie sorgen dafür, dass du konsequent investierst, unabhängig von Stimmung oder Schlagzeilen und Entscheidungen aus Angst oder Unsicherheit vermeidest.
Es ist empfehlenswert Produkte und Anlageanbieter zu vergleichen.
(z.B. mit https://www.moneyland.ch/de/anlegen-vorsorge und https://www.finanzen.ch/ratgeber/robo-advisor-vergleich (ohne Gewähr))
Gebundene Vorsorge 2. und 3. Säule
Vorteile: Du investierst in der Regel regelmässig für deine Altersvorsorge und du hast Steuervergünstigungen.
Nachteile: Dein Investitionskapital ist gebunden. Du kannst es nicht jederzeit und für jeden Zweck wieder auflösen.
Wie funktioniert die Säule 3a und weshalb ist sie so sinnvoll?
Für Einzahlungen in die dritte Säule (3a) gelten im Jahr 2026 diese gesetzlich festgelegten Grenzen:
- Mit Pensionskasse (2. Säule, «Ich-GmbH»): Maximal kannst du CHF 7'258 pro Jahr einzahlen.
- Ohne Pensionskasse (Selbständigerwerbende (=Einzelfirma)): Maximal 20 % des Nettoerwerbseinkommens / bzw. CHF 36'288 pro Jahr.
So funktioniert der Steuerabzug
Du zahlst z.B. CHF 7’258 in deine Säule 3a ein. In deiner Steuererklärung trägst du diesen Betrag in die entsprechende Zeile fürs Vorsorgesparen ein. Dieser Betrag wird vom steuerbaren Einkommen abgezogen, bevor die Steuern berechnet werden.
Beispiel zur Steuerersparnis:
Die Einzahlung von CHF 7'258 ergibt bei einem Jahres-Einkommen von
CHF 80'000 ein Steuer-Ersparnis von rund CHF 1'450
CHF 100'000 ein Steuer-Ersparnis von rund CHF 1'800
CHF 120'000 ein Steuer-Ersparnis von rund CHF 2'170
(Für exakte Zahlen verwende den Steuerrechner des Kantons Bern.)
Wann kann ich wieder auf mein 3a Geld zugreifen?
Das Geld in der Säule 3a ist gebundenes Vorsorgegeld. Das heisst: Du investierst heute mit Steuervorteilen und kannst nur zu klar definierten Zeitpunkten oder Anlässen darauf zurückgreifen. Das 3a-Geld wird immer als Kapital ausbezahlt (es ist keine Rente). Du beantragst die Auszahlung direkt bei deiner 3a-Anlege-Anbieter.
| Klassischer Vorsorgefall: Pensionierung | Vorzeitige Auszahlung |
|---|---|
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Bei der Auszahlung zahlst du eine einmalige Kapitalleistungssteuer. Diese ist deutlich tiefer als die Einkommenssteuer, separat vom restlichen Einkommen berechnet und abhängig von Wohnkanton und Auszahlungsbetrag (Stand Januar 2026).
Wichtiger Hinweis
Du kannst mehrere 3a-Konten oder -Depots führen. Das ist im Hinblick auf die Auszahlung wichtig, denn wenn du 60+ Jahre alt bist, kannst du 3a Konti nur ganz auflösen (nicht Teile abheben). Je höher dieser Betrag, desto höher die Steuer. Wenn du aber mehrere Konti bis max. ca. 50'000 Franken hast, kannst du diese Bezüge über mehrere Jahre staffeln. Überlege deshalb auch, ob und ab wann du eine Hypothek mit deinem 3a-Vermögen amortisieren willst (gestaffelt über Jahre).
Die zweite Säule genauer betrachten – ein unterschätzter Hebel
Die zweite Säule (berufliche Vorsorge) ist für viele Unternehmerinnen und Selbständigerwerbende ein blinder Fleck. Dabei liegt hier oft der grösste Teil des Vorsorgevermögens – und entsprechend gross ist der Einfluss auf die spätere Rente.
Nicht jede zweite Säule ist gleich gut. Unterschiede zeigen sich unter anderem bei:
- Anlagestrategie (wie viel wird tatsächlich in renditestärkere Anlagen wie Aktien investiert?)
- Kosten und Verwaltung
- Verzinsung der Altersguthaben
- Umwandlungssatz bei der Pensionierung
- Flexibilität bei Einkäufen und Auszahlungen
Gerade für Unternehmerinnen lohnt es sich deshalb, genau hinzuschauen, bei welcher Pensionskasse das Geld liegt. Moderne, teilautonome Sammelstiftungen sind häufig transparenter, kosteneffizienter und renditeorientierter als klassische Vollversicherungen. Ein Vergleich innerhalb der Schweiz kann langfristig einen erheblichen Unterschied bei den Altersleistungen ausmachen – ohne dass sich am monatlichen Beitrag etwas ändert.
Wie erhalte ich Geld zurück aus meiner 2. Säule?
Die zweite Säule (Pensionskasse) dient dazu, nach der Pensionierung ein Einkommen zu sichern.
| Ordentlicher Bezug (Pensionierung) | Vorzeitiger Bezug |
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Drei Möglichkeiten des Bezuges
| 1. Rente | 2. Kaptial | 3. Mischform |
|---|---|---|
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Wichtig: Der Entscheid (Rente vs. Kapital) muss oft mehrere Jahre vor der Pensionierung angemeldet werden (z.B. 1–3 Jahre vorher, je nach Kasse). Empfehlung: Hole dir dazu Rat von einem Experten deiner Pensionskasse oder von einem unabhängigen Experten.
Glossar
Anlageklassen – Die Anlageklasse ist im Finanzwesen eine Gruppe von Finanzprodukten, die aufgrund gemeinsamer Merkmale zusammengefasst werden.
ETF (Exchange Traded Fund) – Ein börsengehandelter Fonds, der einen Index (z.B. Schweizer Markt oder Weltmarkt) abbildet und viele Einzelaktien bündelt.
Diversifikation – Risikostreuung über verschiedene Anlagen, Märkte und Zeitpunkte.
Inflation – Inflation (Geldentwertung) bezeichnet den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus einer Volkswirtschaft. Während die Inflation den Vorgang als solchen beschreibt, ist die Inflationsrate (Preissteigerungsrate, Teuerungsrate) die volkswirtschaftliche Kennzahl, mit der das Ausmass der Inflation gemessen wird.
Roboadvisor – Digitale Anlageplattform, die basierend auf deinem Risikoprofil automatisch investiert, diversifiziert und rebalanciert.
TER – Die Total Expense Ratio oder Gesamtkostenquote ist eine Kennzahl, die Aufschluss darüber gibt, welche Kosten bei einem Investmentfonds jährlich zusätzlich zum Ausgabeaufschlag (extra Kosten beim Einstieg in eine Geldanlage) anfallen.
Volatilität – Kursschwankungen an den Finanzmärkten.
Zinseszins – Erträge werden reinvestiert und erwirtschaften selbst wieder Erträge.
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