Eine Unternehmerin mit Blick für Ästhetik und das, was dem Markt fehlt
«Ich mag Dinge, die schön aussehen. Die Ästhetik hat mir bei allen Wearables unglaublich gefehlt. Ich fand es überhaupt nicht schön, so ein hässliches Stück Plastik zu tragen und – ich liebe Uhren.»
Olga Nijpels-Tishurova ist Gründerin und CEO von Watchibia, einem Berner Startup, das gerade dabei ist, die Wearable-Branche neu zu denken. Ihre Idee hat schon Form angenommen: Ein elegantes, smartes Armband, das sich an traditionelle, mechanische Uhren anbinden lässt – ohne deren Ästhetik zu stören. Puls, Schlaf, Stress und Schritte misst das Armband bereits. Von aussen sieht man nur ein hochwertiges Uhrenarmband.
Die Idee kam nicht über Nacht, sie reifte über Zeit. Olga schaute sich auf dem Markt um, suchte nach Lösungen, liess Patente prüfen und fand nichts Vergleichbares. Ihre Machbarkeitsanalyse zeigte, dass ihre Produktidee funktioniert und da hat sich Olga gesagt: «Jetzt mache ich es einfach.»
Von der Geschäftsführerin zur Gründerin – ein bewusster Sprung
Bevor sie Watchibia ins Leben rief, war Olga Geschäftsführerin in einem produzierenden Elektronikunternehmen in Deutschland. Das war eine verantwortungsvolle, komfortable Position – mit Team, Auto und Stabilität. «Man hatte seinen Halt», beschreibt sie die Situation.
Und dann hat sie diesen Halt losgelassen. «Es hat mir schon Angst gemacht. Aber ich dachte auch: Wenn das funktioniert, dann kann es richtig gross werden.»
Sie knüpfte Kontakte in der Schweiz, beantragte das Patent und sicherte sich einen Grant vom CSEM – dem Schweizer Forschungs- und Technologiezentrum mit Hauptsitz in Neuchâtel. Dieser wurde ihr unter der Bedingung gewährt, dass sie in der Schweiz gründet.
Olga macht keine halbe Sachen, das spürt man, und zog dafür ins Land der Uhren. Dieser Schritt war von Aufbruch geprägt und gleichzeitig auch ein Härtetest. An die Stelle von Sicherheit und einem eingespielten Team traten technische Herausforderungen, offene Finanzierungsfragen und die ständige Unsicherheit, ob aus der Idee tatsächlich ein gefragtes Produkt wird. Es gibt Phasen, in denen es ihr schwerfällt, sich an den Schreibtisch zu setzen, in denen jede E-Mail Überwindung kostet und die Energie gefühlt im Minusbereich liegt. Dann steigt sie erst einmal aufs Bike. Bewegung gibt ihr Kraft, ordnet die Gedanken und hilft ihr, sich selbst wieder in die Spur zu bringen.
Heute arbeitet Olga 100% für Watchibia, ohne Angestellte, aber mit einem Netzwerk aus Partner*innen und Freelancern. Sie selbst ist der Mittelpunkt, der alles zusammenhält und möglich macht.
Das Armband: Technologie, die man nicht sieht
Watchibia ist, kurz gesagt, ein smartes Armband für traditionelle Uhren. «Longevity Strap» nennt Olga es manchmal liebevoll, denn es geht ihr um Gesundheit, um Wellness, um ein langes und bewusstes Leben. Was von aussen wie ein elegantes Band im Alligatorleder-Look wirkt, enthält im Innern Sensoren, Batterie und Elektronik – verteilt über die gesamte Länge des Armbands. Die dickste Stelle bleibt dennoch angenehm dünn. Aufladen funktioniert denkbar einfach: Man legt das Ende auf eine Docking Station und die Batterie hält 4-5 Tage.
Das Material befriedigt Olgas Ansprüche: Hochwertiger Kautschuk statt echtem Leder – widerstandsfähiger, langlebiger, und kein Tier muss dafür sterben. Olga trägt den Prototyp seit über einem Jahr täglich, auch beim Sport. Er hat keinerlei Gebrauchsspuren und überzeugt sichtlich. Die grösste Herausforderung liegt momentan weniger im Aussehen als in den technischen Details: Wasserdichtigkeit, Batterielebensdauer, Algorithmen. «Elektronik sei wie eine Frau», scherzen manche in ihrem Umfeld. «Je nach Lust und Laune schalte sie ab.» Olga lacht – und macht unbeeindruckt weiter.
Was sie antreibt – wenn das innere Nebengeräusch laut wird
Auf die Frage, wie ihr unternehmerischer Weg bisher war, erzählt Olga, dass sie vieles, was sie erreicht hat, tendenziell herunterspielt. «Da ist eine innere Unzufriedenheit mit mir selbst – ein ständiges Begleitgeräusch wie ein Hintergrundrauschen», sagt sie. Dass sie dieses Gefühl in sich trägt, habe sie selbst überrascht. Motivation kann sie daraus nicht schöpfen, aber es hindert sie am Ende auch nicht. Was sie hingegen wirklich bewegt und weiterbringt, sind die Reaktionen ihres Umfelds. «Wenn die Leute kommen und mit ganz grossen Augen sagen: Wann kann ich es endlich kaufen?», dann denkt sie entzückt: «Ich gehe diesen ganzen Weg genau für dich!»
Dass Watchibia einen Nerv trifft, zeigte sich an der «Watches & Wonders» Messe in Genf besonders deutlich. Der Stand wurde zeitweise überrannt, Besucher*innen kamen gezielt in den Innovationsbereich, um die Bänder zu sehen. Watchibia präsentierte das Produkt der Industrie – und traf damit auf grosses Interesse.
Frauen im Business: Schultern nach hinten, Blick nach vorn
Olga spricht offen darüber, was es bedeutet, als Frau in der Tech- und Investorenwelt unterwegs zu sein. «Es gibt immer wieder Männer, die Frauen noch lieber in der Küche sehen und über Unternehmerinnen skeptisch grinsen», sagt Olga. Auch im Investorenmilieu erlebt sie solche Haltungen.
Ihr Rat an Frauen ist direkt und entschlossen: «Sie sollen sich gut pflegen und gut aussehen – nicht um zu gefallen, sondern um sich selbst zu stärken. Eine Frau, die sich pflegt, geht anders. Die steht gerade da, Schultern nach hinten geschoben und mit sichtbaren Selbstvertrauen. Hey, ich bin eine Businesswoman.» So navigiert Olga diese Realität pragmatisch und mit klarem Kopf – und achtet darauf, dass ihre Nägel ordentlich sind, wenn sie ihr Armband präsentiert. Es gehört für sie eben auch zum Business.
Was Erfolg bedeutet – und warum das Ziel nicht das Wichtigste ist
«Das Leben besteht aus vielen Zwischenstationen und nicht aus einem einzigen grossen Ziel», sagt Olga. Was Erfolg für sie bedeutet? Eine Frage, auf die sie keine einfache Antwort hat, nur eine Richtung: Der Gesellschaft Mehrwert zurückgeben, Menschen motivieren, etwas bewegen. Geld spielt zweifellos eine wichtige Rolle, aber steht nicht an erster Stelle. Glück entsteht für Olga aus der Interaktion mit anderen Menschen.
Für die nächsten Jahre ist Olgas unternehmerischer Traum klar.
Sie möchte Watchibia auf dem Markt sehen – elegant, funktional und weltweit.
Olga und be-advanced
Olga Nijpels-Tishurova wird im Rahmen des be-advanced Startup-Programms begleitet. Über den Impact Hub Bern kam der Kontakt zustande – und mit dem richtigen Coach an ihrer Seite hat sie nicht nur ihre Strategie geschärft, sondern auch ein Gespür dafür entwickelt, wie die konservative Uhrenbranche wirklich tickt.
Bei be-advanced glauben wir an Unternehmer*innen wie Olga – Menschen, die mit Leidenschaft handeln, Verantwortung übernehmen und Neues schaffen. In unserem KMU- und Startup-Programm begleiten wir sie auf ihrem Weg mit Erfahrung, Vernetzung und bedürfnisorientierter Unterstützung.
Wenn dich ähnliche Fragen rund um Positionierung, Sichtbarkeit und Struktur beschäftigen – oder auch ganz andere Themen, bei denen du dich und dein Unternehmen entwickeln möchtest – melde dich gerne bei uns.
➡️ Ich bin an einem Coaching bei be-advanced interessiert.
Wenn die Leute kommen und mit ganz grossen Augen sagen: «Wann kann ich es endlich kaufen?»
Dann denkt Olga entzückt: «Ich gehe diesen ganzen Weg genau für dich!» – Olga Nijpels-Tishurova
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