Stefan Weber im be-inspired Podcast

Stefan Weber im be-inspired Podcast

Inspiration

Stefan Weber, Professor und langjähriger Direktor des ARTORG Center der Universität Bern führt heute als CEO die Berner Medtech-Firma CAScination. Mit LEM Surgical hat er ein zweites Unternehmen mitgegründet. Im be-inspired Podcast von be-advanced erzählt er, warum Forschende früher gründen sollten und welche Kennzahl für ihn am Ende zählt.

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Schwerpunkte dieser Podcast-Episode mit Stefan Weber

  • Vom Forscher zum Unternehmer: der Weg von Stefan Weber vom ARTORG Center zu CAScination und LEM Surgical
  • Risikobereitschaft als Kern des Unternehmertums
  • Früh gründen statt von Förderbeitrag zu Förderbeitrag forschen
  • Investor*innen als Teil der Marktvalidierung
  • Domänenwissen und Problem-Interviews mit festem Fragenkatalog
  • Realistische Testumgebungen statt Demo auf dem Bürotisch
  • Gründungsteam, das unterwegs wächst, statt Fünferteam ab Tag eins
  • Governance und Prozesse, die mit dem Unternehmen mitwachsen
  • Umsatz als wichtigster Gradmesser auf dem Weg zum Product-Market-Fit
  • Technik gegenüber Mensch: Skalierung in unterschiedlichen Spitalkulturen (Europa und USA)
  • Fokus und Ausdauer statt Netzwerkanlässe
  • Der Standort Bern: Medizin und Technik unter einem Dach am ARTORG Center
  • Bonus-Epilog: Wie Hochschulen zu Spin-off-Maschinen werden können

Erst der Verkauf macht aus einer Erfindung ein Produkt

Die Geschichte von CAScination beginnt nicht im Labor, sondern an einem Spitalbett. Mitte der 2000er-Jahre forschte Stefan Weber in München daran, wie sich Lebertumore chirurgisch besser behandeln lassen. Zur gleichen Zeit erkrankte seine Mutter an Krebs. Kurz vor ihrem Tod sagte sie zu ihm «Mach etwas.» Aus diesem Satz wurde ein Lebensthema.

Als ihn sein Mentor Lutz Nolte nach Bern holte, stellte Weber nur eine Bedingung: Er wollte die Freiheit haben, eine Firma zu gründen. 2009 entstand aus diesem Bedürfnis CAScination, die heute Navigationssysteme und Robotik für die Chirurgie entwickelt. Aus ihrer Präzisionsrobotik für Cochlea-Implantate ging später LEM Surgical hervor, die mit rund fünfzig Mitarbeitenden Roboter für die Wirbelsäulenchirurgie in den USA verkauft. 

Vor rund sieben Jahren gab Weber die Leitung des ARTORG Center ab und fing mit 45 Jahren noch einmal von vorne an, diesmal als Verantwortlicher für Verkauf und Umsatz. «Das musste ich lernen, und es war ein hartes Stück Arbeit», sagt er. 

Was Unternehmer*innen ausmacht

«Skin in the game!» 
Entscheidend ist für Weber die Bereitschaft, ein persönliches Risiko einzugehen. Das gilt für die Gründerin eines Deep-Tech-Startups ebenso wie für den Handwerker, der nach der Lehre eine halbe Million Franken für seine eigene Werkstatt aufnimmt. Wer so etwas wagt, scheitert manchmal, und mit jedem Mal wächst die Fähigkeit, mit Risiken umzugehen. «Wenn du schon ein paar Mal vor einer Klippe gestanden bist, weisst du beim nächsten Mal besser, wie damit umgehen.», sagt Weber. «Das Lesen einer Bilanz lässt sich lernen, die Bereitschaft zum Risiko trägt man in sich oder eben nicht.»

Früher anfangen, als es sich richtig anfühlt

Acht Jahre lang sass Weber im Gremium des Förderprogramms BRIDGE. Dort sah er vielversprechende Projekte, deren Teams erst nach acht Jahren Forschung an eine Firma denken wollten. Was manche Teams zeigten, hätte seiner Meinung nach Investoren überzeugt, das Zehnfache der beantragten Summe einzusetzen.
Er rät deshalb, tendenziell früher zu gründen, als es sich richtig anfühlt. Branchenkundige Investor*innen sind für Weber Teil der Marktvalidierung, denn sie steigen nur ein, wenn sie im Markt eine Chance sehen. Wer dagegen von einem kleinen Förderbeitrag zum nächsten zieht, schiebt die Entscheidung nur hinaus, und Weber nennt das offen Prokrastination. Gern zitiert er einen Satz, der Reid Hoffman zugeschrieben wird: «Wenn dir dein erster Prototyp nicht peinlich ist, hast du zu spät angefangen.»

Das Problem so gut kennen wie die eigene Lösung

In der Medizintechnik genügt eine gute technische Lösung nicht. Webers Doktorierende mussten deshalb eine Art Turing-Test bestehen. Sie sollten fünfzehn Minuten mit einer Klinikerin fachsimpeln, ohne dass diese merkte, dass sie nicht mit einer medizinischen Fachperson sprach. Gespräche mit Nutzer*innen führt Weber mit einem festen Fragenkatalog, damit sich die Antworten vergleichen lassen. Ebenso wichtig ist ein realistisches Testumfeld.

Bei CAScination gibt es ein Ex-Vivo-Labor, das wie ein Operationssaal eingerichtet ist. Chirurg*innen fühlen sich wie im Operationssaal, kennen Tisch und Mikroskop und so zeigen sich Probleme im Arbeitsablauf, bevor sie teuer werden. Und manchmal braucht es nicht einmal ein Labor, sondern nur Pragmatismus. Für erste Messdaten eines Nervenmonitoring-Systems trafen sich die Gründer von CAScination an einem Samstagmorgen in der Firma und ein befreundeter Arzt klebte ihnen die Elektroden ins eigene Gesicht.

Ein Team, das unterwegs wächst

Weber hält wenig von der Vorstellung, dass ein Startup vom ersten Tag an ein Gründungsteam aus vier oder fünf Personen braucht. In den ersten Jahren arbeiten Gründer*innen Tag und Nacht, und dass fünf Menschen diesen Rhythmus gemeinsam durchhalten, hält er für unwahrscheinlich. Wer geht behält oft seine Anteile, und das demotiviert jene, die bleiben. Sein Rat lautet deshalb, einfach zu beginnen und unterwegs die Menschen zu finden, die herausragen und bleiben wollen.
Ähnlich gelassen sieht er die Governance. Am Anfang genügen die gesetzlichen Mindestanforderungen, und alles Weitere wächst mit dem Unternehmen. Unterschätzt wird dagegen der unbedingte Wille weiterzumachen, auch wenn sich monatelang nichts zu bewegen scheint. «Jedes Unternehmen ist organisiertes Chaos», sagt Weber feststellend.

Umsatz als Kompass

«Woran erkennst du, ob du auf dem richtigen Weg bist?», wird Weber gefragt und seine Antwort lautet: 
«Umsatz, Umsatz, Umsatz». 

Eine Marktzulassung macht aus einem Gerät noch kein Produkt, denn ein Produkt ist es erst, wenn jemand dafür bezahlt hat. Jeder Verkauf liefert einen Datenpunkt, und mit jedem weiteren entstehen Muster, die bessere Entscheidungen erlauben. Schon bei der Gründung von CAScination vereinbarte Weber mit einer deutschen Partnerinstitution, dass sie das erste Produkt kaufen würde. Er rät, die Energie eher in Gespräche mit Kund*innen zu stecken als in die nächste Finanzierungsrunde. Wenn jemand sagt, das Produkt sei zu teuer, lohnt sich die Frage, zu welchem Preis er oder sie es kaufen würde. «Heute ist es fast schwieriger, Kunden zu finden als Investoren», sagt er.

Fokus statt Netzwerk-Apéro

«Energie haben viele Menschen genug.», sagt Weber. «Entscheidend ist, wie viel davon sie auf eine einzige Sache richten.» Ein Boxtrainer, der mehrere Weltmeister betreut hatte, erzählte ihm einst, dass nur jene Talente Weltmeister wurden, die sich eine Zeit lang ganz auf das Boxen konzentrierten. 

Auch das Netzwerken gewichtet Weber weniger, als viele erwarten. Ein Treffen mit einer Klinikerin ist ihm wichtiger als ein Abend an einem Netzwerkanlass, denn wer gute Arbeit leistet, wird bemerkt, und das Netzwerk entsteht, gemäss Weber, nebenher.

Was Bern stark macht

Nach Bern kam Weber bewusst, weil er an einer medizinischen Fakultät arbeiten wollte. Dass die biomedizinische Technik am ARTORG Center in die Medizinische Fakultät eingebettet ist, hält er für eine grosse Stärke des Standorts. Ingenieurinnen und Ärzte arbeiten nah beieinander, und so treffen Lösungen und Probleme früher oder später aufeinander. 

In seiner Zeit als Direktor schrieb das ARTORG in seinen Leistungsauftrag, dass das Zentrum klinische Studien durchführen und Startups hervorbringen soll.

Spät, aber angekommen

Am Ende des Gesprächs fragt Christian Stefan Weber, was er heute über das Unternehmertum denkt, das er vor fünfzehn Jahren noch nicht dachte. Weber hat sich diese Frage nach eigenen Worten noch nie gestellt. Dann erzählt er von seinem Team, das aus vielen Ländern und Kulturen kommt und sich schneller bewegt, als es eine Universität je könnte. «Ich bin angekommen», sagt er, «spät zwar, aber ich habe es geschafft.»

Du musst diesen Weg nicht allein gehen

Ob du als Forscherin den Schritt in die Selbstständigkeit prüfst oder als Unternehmer dein nächstes Wachstum planst, 
be-advanced begleitet dich dabei. Als Innovationsförderagentur des Kantons Bern bieten wir individuelle Begleitung an und dank der Unterstützung des Kantons sind unsere Angebote für Unternehmer*innen im Kanton Bern kostenlos. 
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Der be-inspired Podcast

Im be-inspired Podcast erzählen Unternehmer*innen im Gespräch mit Christian Lundsgaard-Hansen von Sparkr aus ihrem anspruchsvollen Alltag, verraten, wie sie mit schwierigen Herausforderungen umgehen und zeigen auf, wie sie dank innovativen Lösungsansätzen ihre Unternehmen neu ausrichten und weiterentwickeln.
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