Am Mittwochmorgen pünktlich um 9.30 Uhr empfängt mich Fabrice Moser an der Dunantstrasse 2 in Burgdorf. Vor dem Yellowcamper Hauptsitz, der gleichzeitig ihre Produktionsstätte ist, stehen bereits zahlreiche Camper zur Abholung bereit. Der Frühling ist da und damit auch die Lust nach einem Camping-Ausflug für viele Schweizerinnen und Schweizer. Das verlängerte Osterwochenende ist für die Vermietung von Yellowcampern jeweils der inoffizielle Auftakt in die neue Saison.
Vermieten und umbauen
Mit Kaffee und Wasser ausgestattet nimmt mich Fabrice mit auf einen Rundgang durch die Produktionshalle. Überall wird montiert, geschweisst und gewerkelt. Zwischenzeitlich fliehen wir vom Lärm nach draussen und Fabrice erklärt mir ihre drei Kerngebiete, die sich mittlerweile zu stabilen Säulen entwickelt haben: Vermietung und Individualumbau im B2C-Bereich sowie ein All-in-One Package im B2B-Bereich. Die Vermietung und der Umbau bildeten den Ursprung ihrer Idee. Das Vermieten der Fahrzeuge dient dabei gleichzeitig auch als perfektes Marketing-Tool. Das Umbauen der Fahrzeuge zu individuellen Camper-Perlen ist nach wie vor die Herzensangelegenheit. Unterschiedlichste Kundenwünsche stellen die Fahrzeugbauer stets vor neue Herausforderungen und machen ihre Aufgabe gleichzeitig sehr abwechslungsreich und vielseitig. Das dritte Standbein ist die Entwicklung und Produktion bis hin zur kompletten Vermarktung von Campern für Geschäftskunden. Dank der Partnerschaft mit Citroën entsteht seit dem letzten Jahr in der Produktionsstätte in Burgdorf ein Camper in Serienproduktion mit begleiteten und umfassenden Kommunikations- und Marketingmassnahmen für den Kunden.
Mitarbeitende sind Kleinst-Unternehmerinnen und Unternehmer
Mittlerweile hat Yellowcamper über 30 Mitarbeitende oder 30 Kleinst-Unternehmerinnen und Unternehmer. Denn Fabrice betont, dass die Mitarbeitenden sehr viele Freiheiten geniessen und Selbstverantwortung übernehmen. Ihr Commitment sei zentral für den Erfolg der Firma. Er ist überzeugt, dass genau diese Faktoren entscheidend sind, um für die Mitarbeitenden längerfristig ein guter Arbeitgeber zu sein. Das enge Korsett einer Grossunternehmung ist ursprünglich auch der Grund gewesen, warum er mit seinen Freunden Thomas Freiburghaus und Patrick Haase auf die Idee von Yellowcamper gekommen ist.
Der Wunsch nach mehr Freiheiten
Alle drei hatten gute Jobs in Grossunternehmen und waren gefangen in ihren engen Strukturen als sie sich nach einem langen Arbeitstag auf ein Bier trafen. Sie erzählten sich gegenseitig von ihren Situationen mit eingeschränktem Handlungsspielraum und ihrem Wunsch nach mehr Freiheiten. Sie liessen ihren Gedanken freien Lauf und kamen plötzlich auf die Schliessung der nahegelegenen Poststelle zu sprechen. Der Verkauf der nicht mehr gebrauchten Post-Fahrzeugen und der aufkommende Trend von Camping-Bussen zu jener Zeit resultierte schliesslich in der Idee, drei knallgelbe Fahrzeuge der Schweizerischen Post zu kaufen und daraus komplett ausgebaute Camper zu bauen und diese zu vermieten. Yellowcamper war geboren.
Unkonventionelle Herangehensweise als Erfolgsfaktor
Patrick als Fahrzeugbauer, Thomas als Banker und Fabrice als Wirtschaftsinformatiker ergänzten sich optimal und so kam Yellowcamper schnell ins Rollen. Wichtig dabei sei, stets authentisch zu bleiben und sich nicht zu verbiegen, meint Fabrice. Er liefert gleich zwei passende Beispiele: Gespräche mit Investorinnen und Investoren führt er beim Spaziergang durch die Produktionsstätte und als CEO eines Automobil-Unternehmens fährt er immer noch mit seiner alten Vespa zur Arbeit. Diese unkonventionellen Herangehensweisen tauchen im Gespräch immer wieder auf und sind sicherlich auch einer der vielen Erfolgsfaktoren von Yellowcamper.
Wie geht es weiter?
Die Erfolgsstory geht auch dank der Hilfe von be-advanced Coach Simon Hirter weiter. Denn Ende des letzten Jahres konnte die Finanzierung eines weiteren Projekts durch Fördergeld des Kantons sichergestellt werden und bietet den drei und ihrem ganzen Team zusätzliche Freiheiten und Spielräume für das Realisieren ihrer Ideen. Die Entwicklung eines markenunabhängigen und modularen Baukastensystems soll demnach dafür sorgen, dass ein Umdenken des klassischen Fahrzeugbaus stattfindet. Egal was Yellowcamper anpackt: Es ist und bleibt eine spannende Reise.
Um 11 Uhr endet meine kleine Reise durch die Produktionsstätte und ich verabschiede mich mit vielen neuen Einblicken in die Camping- und Unternehmer-Welt. Die Yellowcamper vor der Produktionshalle sind nun alle im Einsatz. Doch das ist wenig überraschend: Die Sonne scheint und es ist warm. Wer will da nicht campen gehen?
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